Institut für Geographie

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Publikationen der Projektleitung (Auswahl)

2017: Mega-Events in Emerging Nations and the Festivalization of the Urban Backstage. The Cases of Rio de Janeiro and South Africa. In: Hannigan, J. and Richards, G. (Hg.): Handbook of New Urban Studies. SAGE: Los Angeles: 267-290.  (mit C. Haferburg)

2015 Megaevents und favelas – Strategische Interventionen und sozialräumliche Effekte in Rio de Janeiro. In: s u b / u r b a n, 3 (1): 45-74. (mit D. Ehebrecht, C. Haferburg und V. Deffner)

2014: Festifavelisation. Mega-Events, Slums and Strategic City-Staging – the Example of Rio de Janeiro 2014/2016. In: DIE ERDE 144 (2): 129-145.

2013: Metropolitane Weltbühne und die Inszenierung der Backstage. Rios Umgang mit 'der Favela' vor den Events. In: Tschorn, L., Schmitt, T. und Husseini de Araújo, S. (Hg.): Widerständigkeiten im Land der Zukunft. Ein anderes Brasilienbuch. Münster: Unrast-Verlag. (mit Daniel Ehebrecht)

2012: Zur Globalisierung der Festivalisierung. In: Scharfenort, N. (Hg.): Lokal verankert, weltweit vernetzt - Geographien der Globalisierung (= Mainzer Kontaktstudium Geographie, Bd.13), Mainz: S. 29-38. (mit C. Haferburg und A. Ley)

2011: Festivalisierung und Stadterneuerung im Globalen Süden. In: Jahrbuch Stadterneuerung: Festivalisierung und Stadterneuerung. Arbeitskreis Stadterneuerung an deutschsprachigen Hochschulen, Berlin.

Vorträge der Projektleitung (Auswahl)

 

2017: Gentrifizierung der Urban Backstage in Rio de Janeiro. Universität Passau.

2015: Lokale Interventionen in globalisierte Zeichenproduktionen. Universität Mainz.

2014: Tracing the Traveling Slum. Konferenz "Destination Slum! 2", Potsdam.

2014: Favela Semiotics, Favela Interventions. AAG, Tampa.

2013: FIFAvela: Mega-event, Favela tourism and Resistance in Rio de Janeiro. RC21 CONFERENCE 2013, ‘Resistance and Protest in the Tourist City’. Berlin.

2013: Traveling Slums. Kontexte, Konturen und Kontroversen eines globalen Phänomens. Lecture Series des Geographischen Instituts der JGU. Mainz.

2011: Slum Tourism in Spatial and Temporal Perspectives. Gastvortrag an der Fundação Getulio Vargas (FGV, CPDOC). Rio de Janeiro, Brasilien.

2011: Der Globale Slum: Entstehung eines global-universellen Destinationstyps. Gesellschaft für Erdkunde. Berlin.

Slumdog Gringos und "Favela Chic" -
Neue Mobilitäten und Gentrifizierung in Vidigal (Rio de Janeiro)

Projektleitung: PD Dr. Malte Steinbrink
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Lena Jehle
Förderung: zentraler Forschungspool der Universität Osnabrück
Laufzeit: 

Als Austragungsort gleich mehrerer globaler Sportgroßereignisse unterläuft Rio de Janeiro derzeit tiefgreifende politische, soziale und räumliche Transformationsprozesse. Die Auswirkungen der „Festivalisierungspolitiken“ reichen bis in die „Favelas“, jene zumeist an den steilen Hängen von Rios Hügellandschaft erbauten Wohnviertel einkommensschwacher Bevölkerungsgruppen. Vor allem das groß angelegte „Befriedungs“-Programm der Militärpolizei begünstigte insbesondere in den zentrums- und strandnah gelegenen Favelas einen substanziellen Wandel. Die lange als „No-Go-Area“ für Außenstehende bekannten Orte avancierten binnen kürzester Zeit zu Anziehungspunkten für Tourismus und Investment und werden zunehmend in den boomenden Immobilienmarkt von Rio integriert.

Ein emblematisches Beispiel für diese Entwicklungen ist die Favela „Vidigal“. Noch vor wenigen Jahren in einer tiefen sozialen wie ökonomischen Krise durch die gewaltsame Kontrolle bewaffneter Drogenbanden feststeckend, zeigt sich heute ein ganz anderes »bewegtes« Bild: Ein internationales Mittelklasse-Publikum siedelt sich an und zahlt sechsstellige Europreise für Favela-Häuser mit spektakulärem Meerblick, zwanzig Hostels werben mit Strandnähe und »authentischer Atmosphäre«, das Nachtleben vibriert auf Szene-Partys. Die Presse feiert Vidigal bereits als einen der hipsten Orte der Stadt. Für die angestammte Bevölkerung bleiben diese Trends freilich nicht folgenlos und lösen unterschiedlichste Reaktionen, Strategien und Konflikte aus.

In analytische Kategorien kondensiert, lässt sich dieses Panorama neuer Mobilitäten in der Favela als Trias aus Migration, Tourismus und Gentrifizierung beschreiben und mitten in aktuelle Debatten aus sozialwissenschaftlicher Globalisierungs-, Stadt- und Migrationsforschung überführen. Das Projekt möchte die genannten drei Mobilitäts-Stränge in den Blick nehmen. Am Fallbeispiel Vidigal werden die transformierenden Kräfte von globalem Tourismus und internationaler Migration in einem Stadtteil untersucht, welcher stets geographisch zentral gelegen, symbolisch aber fernab der florierenden Metropole Rio de Janeiro verbannt war.

Die Ankunft der sogenannten »Slumdog Gringos« wird im Verhältnis zu den rapiden Gentrifizierungsprozessen betrachtet, welche die Favela heute prägen. Da im Zuge dessen auch Verdrängungsdynamiken der angestammten Favela-Bevölkerung nicht ausbleiben, soll auch diese Seite von »neuen Mobilitäten« im Fokus stehen. Damit wird an eine wissenschaftliche Debatte angeknüpft, welche die Stadtforschung in Bezug auf den Globalen Norden seit langem beschäftigt, im Hinblick auf den Globalen Süden jedoch (noch) kaum geführt wird. Nach einem zweimonatigen Feldaufenthalt von Frau Jehle in Rio de Janeiro arbeiten Steinbrink und Jehle nun vom Institut für Geographie aus weiter an ihrem Forschungsvorhaben.