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Kakao: lecker, aber auch fair und nachhaltig?

Projekt: „Wertketten und Konsumentscheidungen – Fernwirkung von Governance und Produktbiographien am Beispiel von Kakao“ erforscht Lieferketten und Konsumentscheidungen am Beispiel von Kakao in Ghana

„Viele Menschen achten beim Einkaufen zunehmend darauf, dass Lebensmittel fair und umweltfreundlich hergestellt werden. Um diesem Wunsch nachzukommen, wollen auch mittelständische Unternehmen ihre Liefernetzwerke nachhaltiger gestalten und die Verpackungen ihrer Waren so kennzeichnen, dass sie den Kunden beim Einkauf Orientierung geben können“, erläutert Dr. Susanne Wiese-Willmaring, DBU-Referentin für Lebensmittel. Im Projekt der Universität Osnabrück in Zusammenarbeit mit dem Schokoladenhersteller Ludwig Weinrich (Herford) will das ForscherInnenteam am Beispiel von Kakao aus Ghana sichtbar machen, welche Auswirkungen die Einkaufsentscheidungen der HerstellerInnen in den Anbauregionen haben. Gleichzeitig sollen Empfehlungen vor allem für mittelständische Unternehmen entwickelt werden, wie Nachhaltigkeitsinformationen wirksam entlang der Wertkette weitergegeben werden können. Dies soll Kaufentscheidungen zugunsten von fair und umweltfreundlich produzierter Ware unterstützen, um die Bedingungen der Kakaobauern und -bäuerinnen zu verbessern sowie die Umwelt in den Anbauregionen zu schützen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Vorhaben mit 450.000 Euro.

Komplexe Lieferketten

Die Globalisierung hat dazu geführt, dass die räumliche und kulturelle Distanz zwischen KonsumentInnen und dem Herstellungsort vieler Waren immer größer wird. Wie sich Entscheidungen der VerbraucherInnen und das Einkaufsverhalten der Unternehmen sozial und ökologisch vor Ort auswirken, ist nur noch schwer nachzuvollziehen. „Das stellt besonders kleine und mittlere Unternehmen vor große Herausforderungen“, erklärt Prof. Dr. Martin Franz, Projektleiter vom Institut für Geographie der Universität Osnabrück. „Ihre Lieferketten lassen sich nur schwer strategisch koordinieren. Außerdem gelingt es nur selten, das bereits existierende Wissen über die Produktionsbedingungen an die KundInnen zu vermitteln.“

Schäden an Umwelt und LandwirtInnen

Die gegenwärtige Kakaoproduktion ist in den Anbau- und Verarbeitungsländern häufig gekennzeichnet durch Kinderarbeit, Ausbeutung von Kleinbauern und -bäuerinnen sowie durch Entwaldung und den Verlust der biologischen Vielfalt. Durch unzureichenden Arbeitsschutz ist zudem oftmals die Gesundheit der Bauern und Bäuerinnen gefährdet. Vor diesem Hintergrund will das Team aus Prof. Dr. Stefanie Engel (Umweltökonomie), Dr. Carsten Felgentreff (Sozialgeographie), Prof. Dr. Martin Franz (Wirtschaftsgeographie), Prof. Dr. Andrea Lenschow (Politikwissenschaften) und Prof. Dr. Karsten Müller (Arbeits- und Organisationspsychologie) untersuchen, mit welcher Art von Lieferketteninformationen SchokoladenherstellerInnen einen Beitrag dazu leisten können, das Einkaufsverhalten der KundInnen in eine nachhaltigere Richtung zu bewegen. Um das herauszufinden, wollen sie KonsumentInnen befragen sowie psychologische und wirtschaftliche Experimente im Labor und im Feld durchführen. Zudem sollen Virtual Reality-Technologien eingesetzt werden, um die soziale und räumliche Distanz zwischen den KundInnen und den ProduzentInnen zu verringern. Das Projekt weist daher neben den umweltbezogenen Aspekten auch eine erhebliche soziale wie wirtschaftliche Relevanz auf und unterstützt die Ziele für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen.

Projekt stößt auf Interesse der Schokoladenbranche

„Mit den Handlungsempfehlungen wollen die WissenschaftlerInnen die nachhaltigere Produktion von Kakao stärken. Das verbessert nicht nur die Lebensbedingungen der Kakaobauern und -bäuerinnen, sondern wird auch aktiv zum Schutz der Umwelt beitragen“, so DBU-Referentin Wiese-Willmaring. Bereits jetzt stoße das Projekt in der Schokoladenbranche auf großes Interesse. Es soll durch einen Projektbeirat begleitet werden, in dem verschiedene Akteure aus Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen vertreten sind.

Weitere Informationen für die Redaktionen:
Prof. Dr. Martin Franz
Universität Osnabrück
Institut für Geographie
Seminarstraße 19 a/b
49074 Osnabrück
Tel.: +49 541 969 4277
E-Mail: martin.franz@uni-osnabrueck.de